Kommentare

„Allein die Vorstellung, dass wir eines Tages alle aus der Stadt kommen, dass wir alle Städter sein werden, finde ich ziemlich schwindelerregend.“

(Antoine Jaccoud, Prolog zu „On liquide“)

 

„Unser Ziel ist, die Konflikte in Bezug auf Lebensart und Gesellschaft, die verbreitet zum Verschwinden der landwirtschaftlichen Betriebe beitragen, zu thematisieren. Es sind nicht nur die Entscheidungen auf internationaler Ebene, die sich auf diese Konflikte auswirken. Es gibt auch ein individuelles Element: unseren Bezug zum Essen. Der Konsument übt einen bedeutenden Einfluss auf den Lauf der Dinge aus.“ (Antoine Jaccoud zum Stück)

 

Der „Modell-Bauernhof“ ist Metapher für Übergeordnetes. Es geht nicht nur um den Bauern, die Kuh, das Pferd, das Schwein, den Baum, nicht nur um Probleme in der Landwirtschaft und auch nicht um die schweizerische Agrarpolitik im Verhältnis zur EU-Bürokratie. Der Bauernhof ist „bloss“ die poetische Umsetzung einer Wirklichkeit, die am Verschwinden ist. Die Parabel thematisiert den Verlust des Bezugs zum Natürlichen und gleichzeitig auch den Verlust traditioneller, ländlicher Identität. Es verweist  somit unmittelbar auf den Begriff der „Kultivation“ (die Auseinandersetzung des Menschen mit den Dingen): Der Mensch entfremdet sich immer weiter vom Handwerk, von der Natur und allem Lebendigen. Dabei ist „On liquide“ weder moralisierend noch belehrend. Jenseits jeglicher Nostalgie bezeichnet das Stück einen regionalen wie globalen Fakt und spricht damit aktuellste Fragen an.

„On liquide“ verführt durch seine Originalität und seinen Humor, seine sinnliche Art, Genres zu vermischen und mit kleinen Details eine ganze Welt zu beschwören. (Dodó Deér, Regisseur)

 

Die Fabel, die Erzählform nach dem Vorbild eines La Fontaine, als Anspielung an das gigantische menschliche Bestiarium, das unseren Planeten bevölkert. Darin auf der einen Seite die bedingungslosen Befürworter der Globalisierung und auf der anderen Seite ihre Opfer: das Pferd, die Ziege, das Schwein und die Milchkühe. Herden, die wie ihre Hirten – die Bauern – auch, auf dem Opfertisch des Wirtschaftsliberalismus geopfert werden. (Ghania Adama, Journalistin)

 

Was ist also zu tun? Die Mentalität verändern? Schwierig, da sich die Theaterschaffenden keinesfalls als Moralapostel aufspielen wollen. Im besten Fall erhoffen sie sich, einen Gedankenanstoss bieten zu können, indem sie daran erinnern, dass der Bauernstand auch den sinnlichen und mystischen Bezug darstellt, den die Schweizerinnen und Schweizer seit jeher zur Natur haben. (Ghania Adama, Journalistin)

 

„On liquide“ ist eine humoristische Parabel über das Bauernsterben. Das Verschwinden der Lebensgrundlage löst nicht nur beim Bauern, sondern auch bei seinen Tieren existentielle Fragen aus: Braucht die Welt die Bauern nicht mehr? Wer wird uns füttern und nähren, wenn der Bauer nicht mehr da ist? Hat der Mensch etwas falsch gemacht? Oder haben wir gar unsere besten Zeiten noch vor uns? (Kommentar einer Darstellenden)